Lichtschlag Buchverlag

Eine Lanze für die bürgerliche Welt

Gerd Habermann - Neue Zürcher Zeitung, 25. 1. 2008

    Wie kaum ein anderer verteidigt seit Jahren der Publizist und frühere Unternehmer Roland Baader im Geiste der österreichischen Schule der Ökonomie (Mises, Hayek, Rothbard) die Werte, die unserer Zivilisation zugrunde liegen und die der moderne Wohlfahrtsstaat vielfach und oft schleichend bedroht: Eigentum, Familie, Marktwirtschaft und (christliche) Religion. Baaders besondere Ambition ist es, verständlich zu schreiben und dadurch die Lehren dieser Meisterdenker zu popularisieren. Dass ihm dies auch ge lingt, zeigen erfolgreiche Bücher wie «Fauler Zauber» (ein Buch über den manipulierenden Wohlfahrtsstaat) oder, zuletzt, «Geld, Gold und Gottspieler» (gegen das staatliche Papiergeld-Monopol und seine Folgen).

Zeigt die Uhr schon 5 nach 12?

    Roland Baader ist im Angriff nicht zimperlich. Er beherrscht die Kunst der Zuspitzung und der Dramatisierung, wobei sein Stil manchmal ins Markige, wo nicht Martialische übergeht. Er sieht eben, und dies wahrscheinlich nicht zu Unrecht, unsere Zivilisation durch den vordringenden Wohlfahrtsstaat im Kern bedroht, und manchmal scheint es, als ob er sie schon versinken sähe im Chaos einer Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise, in Bandenkämpfen und Bürgerkriegen. Hierbei fällt auf, dass er, im Sinne der österreichischen Schule, Krisen und Konjunkturen als Folge der staatlichen Herrschaft über das Geld sieht.

   Staatliche, marktwidrige Zinsmanipulationen über die Zentralbanken sind Kernursache der kommenden grossen ökonomischen Krise, als deren Vorbote er den Zusammensturz der amerikanischen Immobilienmärkte einstuft. Auch wenn er in apokalyptischer Verdüsterung meint, es sei bereits 5 nach 12, hält er offenbar doch den Kampf für sinnvoll, den er so eindrucksvoll führt. So nun auch in der jüngst erschienenen Aufsatzsammlung: einer Zusammenstellung von 55 Essays und Zeitungsartikeln der letzten Jahre, vor allem in dem radikalliberalen Magazin «eigentümlich frei» publiziert.

    Alle Ressorts und Missgriffe des «Sozialsozialismus» werden vorgeführt, so etwa die absurde Regulierung des Gesundheitssektors, die egalitäre «Anti-Diskriminierungs»-Gesetzgebung und das «gender mainstreaming». Auch die sonstigen Einmischungen des Wohlfahrtsstaates bis hinunter zu den Rauchverboten geraten in sein Visier. Eine wichtige Ursache für die Ausuferungen des umverteilenden Wohlfahrtsstaates sieht Baader im staatlichen Bildungswesen. Er zitiert Mises: «Totalitarismus ist das Ergebnis der überlegenen Stellung der Bürokratie im Bereich der Erziehung. Die Universitäten bereiteten den Diktatoren den Weg.» Das staatliche Bildungswesen reproduziere immer wieder Staatsgläubigkeit und Staatshörigkeit. Man wird dies zugeben müssen:Das überregulierte private Schul- und Hochschulwesen spielt in Deutschland leider nur eine Nebenrolle. Die gesetzliche Zwangsschule wird gegenwärtig erneut mit Polizeimitteln gegen Ansätze des «Homeschooling» (das in vielen anderen Ländern erlaubt ist) durchgesetzt.

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