Lichtschlag Buchverlag

Jede Seite ist die Falsche

Johannes Saltzwedel - KulturSPIEGEL, 1. 7. 2008

Im Wien des Karl Kraus hatten Aphoristiker Hochkonjunktur, heute aber erlahmt selbst das Kabarett. Umso erfrischender, wenn endlich mal wieder jemand virtuos die Wort-Klinge führt. "Die Bundeswehr stellt ihre neuen Schlachtschiffe vor: die ,Süssmuth' und die ,Habermas'" - solch präzise Bosheiten wechseln hier ab mit zeitlosen Einsichten ("Dienen adelt"), einer guten Portion Selbstironie und allerlei Dandyhaftem wie "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Winzer".

Ästhetisch macht der von Nicolás Gómez Dávila inspirierte Autor sowieso keine Kompromisse: "Leute, die Benn-Gedichte mögen, halten etwas zu viel von sich und etwas zu wenig von Lyrik." Wie seine Provokationen ankommen, ist Klonovsky, 45, dabei gar nicht allzu wichtig, solange etwas in den Köpfen passiert: "Im Mindestfall illustriert ein Aphorismus, dass über das Thema nachzudenken Anstrengung gekostet hätte."

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