Lichtschlag Buchverlag

Kristalline Geschliffenheit

Michael Klonovskys Aphorismen-Sammlung

Thorsten Thaler - Junge Freiheit 43/08, Oktober 2008

Was verbindet einen Arzt der vorchristlichen Antike mit einem römischen Kaiser des 2. Jahrhunderts n. Ch. mit einem französischen Essayisten des 16. ]ahrhunderts mit einem spanischen Jesuiten des 17. ]ahrhunderts mit einem deutschen Physiker des 18. ]ahrhunderts mit einem irischen Dandy des 19. ]ahrhunderts mit einem kolumbianischen Philosophen des 20. Jahrhunderts mit einem zeitgenössischen deutschen Schriftsteller wie Botho Strauß? Nun, sie alle — Hippokrates, Marc Aurel, Michel de Montaigne, Baltasar Gracián, Georg Christoph Lichtenberg, Oscar Wilde, Nicólas Gómez Dávila und eben Botho Strau9 — sind, neben ihren sonstigen Begabungen, herausragende Aphoristiker.Künftig wird man dazu auch einen Mann zahlen dürfen, der bislang vor allem als Journalist und Romanschriftsteller ("Das Land der Wunder", JF 52/05-1/06) aut sich aufmerksam gemacht hat. Michael Klonovsky, im Hauptberuf derzeit als Textchef beim Münchner Nachrichtenmagazin Focus beschäftigt, hat einen Band mit Aphorismen vorgelegt. "Jede Seite ist die falsche" lautet der programmatische Titel dieses zwar schmalen, aber gehaltvollen Büchleins.

"Unverzeihlich bleibt allein die Denunziation"

Aphorismen: Oft belächelt und nicht ernst genommen, sind sie die wohl am meisten unterschätzte literarische Gattung und künstlerische Ausdrucksform. In Umkehrung eines gemeinhin, wenn auch verfälscht, dem begnadeten österreichischen Sprach- und Kulturkritiker Karl Kraus (1874-1956) zugeschriebenen Bonmots muß ein guter Aphoristiker nicht nur einen Cedanken haben, er muß auch fähig sein, ihn auszudrucken. Und zwar kurz, knapp, bündig, prazise. Mit Esprit, Eleganz und kristalliner Geschliffenheit.

Bei dem Sprachvirtuosen Klonovsky, der keine Scheu vor "Reizworten und Alarmbegriffen" hat (Carlos A. Gebauer im Vorwort), liest sich dann so: "Ist das Kampfgetümmel der Diskurse beendet, bleiben auf dem Schlachtfeld die Mundtoten zurück." — "Man sieht auch am demokratischen Verhalten, wer zum Nazi getaugt hätte." "Gesinnungen sind biographisch bedingt und fast immer tolerierbar. Unverzeihlich bleibt allein die Denunziation." Das sitzt perfekt.

Gern hat Klonovsky auch den Großmufti der Kritischen Theorie: "Das Werk des ]urgen Habermas, liest man, sei in alle großen Spraehen der Welt übersetzt worden. Außer ins Deutsche." Treffer? Versenkt!

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